Bekleidung und Mode - riskantes Geschäft oder Investment mit Stil?

FINANZEN & INVESTIEREN | 04.09.2020

Helsinki, 14. November 2019 – Kleidung ist eine Grundnotwendigkeit für jeden, aber was sollte man wissen bevor man in die Branche investiert? Wir haben genauer hingeschaut.

Wie wir uns anziehen ändert sich ständig. Wetter und Modetrends machen für uns immer wieder andere Kleidung notwendig. Kein Wunder, dass die Modebranche ein globaler Riese ist. Aber wie sieht dieser Koloss ganzheitlich betrachtet aus? Und welche Chancen und Risiken bringt er für Investoren? Kleiner Tipp vorab: Wenn Sie diesen Text (oder andere Quellen zum Thema) lesen, seien Sie aufmerksam für Details. Die Bekleidungsindustrie wird oft getrennt in Produktion und Verkauf. Je nachdem welche der beiden Teilsektoren jeweils inkludiert oder exkludiert sind, unterschieden sich die Bestimmungen des Marktvolumens weitgehend. Außerdem decken verschiedene Begriffe jeweils unterschiedliche Felder und Bereiche des Marktes ab.

Die Bekleidungsindustrie - Eine Übersicht 

Marktwert und Wachstum

Sheng Lu, Professor am Department of Fashion & Apparel Studies der Universität Delaware, schätzte Ende 2018, dass der weltweite Modehandel eine jährliche Wachstumsrate von 5,3% von 2017 bis 2022 verzeichnen wird. Die Branche sollte demnach 2019 einen Gesamtwert von ca. 1,38 Billionen US-Dollar erreichen. (Billionen = tausend Milliarden)

McKinsey schätzte, dass die globale Modeindustrie in 2016 einen Gesamtwert von 2,4 Billionen erreicht hat. In einem aktuelleren Industriereport berechneten sie die Wachstumsrate der Modeindustrie auf 4-5% in 2018 und 3,5 - 4,5% in 2019.

Laut einer Schätzung im Jahr 2018 des Mode-Industrienetzwerks Common Objective dominieren zehn Länder den Modehandel (exklusive Schuh- und Juwelenhandel). Diese vereinen demnach 69% aller diesbezüglichen Ausgaben. China und USA stehen dabei an der Spitze: Beide Märkte repräsentieren zusammen 42% aller Ausgaben für Kleidung. Common Objective führt das auf die hohe Kaufkraft (USA) und die hohe Anzahl an Käufern (China) zurück. Unter den zehn dominierenden Ländern sind außerdem fünf europäische Märkte (nach Größe des Kaufvolumens absteigend): Deutschland, Großbritannien, Russland, Frankreich und Italien.

Funktionelle Innovationen sind selten in der Bekleidungsbranche. Wachstumsprognosen sollten demnach immer in folgendem Kontext betrachtet: der Modemarkt hat gegenwärtig wenig bis keine Möglichkeiten durch neue, bahnbrechende Produkte zu expandieren. Dies beschränkt die Wachstumschancen: Euromonitor prognostiziert, dass sich der weltweite Modeverkauf bis 2022 um nur 2% steigern wird.Es bestehen jedoch Möglichkeiten, dass technologische Innovationen wie big data, blockchain, AL oder 3D-Druck den Industrieprozess verändern, wovon sowohl Handel als auch Produktion profitieren könnten. Die angeführten Technologien befinden sich aber noch in frühen Entwicklungsstadien und deren langfristiger Einfluss auf die Branche ist damit noch schwer abzuschätzen.

Moderne Geschäftsmodelle: schnell und digital

Mit fast fashion zeichnet sich gerade ein Trend ab, der großes Potential hat, die Bekleidungsbranche in den kommenden Jahren zu verändern. Wie Sanford Stein in einem Artikel im Forbes-Magazin beschreibt, haben gigantische fast fashion Unternehmen wie H&M und Zara großen Erfolg damit, in schnellem Tempo neue Produkte zu niedrigen Preisen auf den Markt zu bringen.

Jedoch steht dieses Geschäftsmodell auch vor großen Herausforderungen: Ökologische Folgen und schlechte Arbeitsbedingungen haben für weitgehende Kritik gesorgt, Unternehmen haben vermehrt auf Online-Präsenz gesetzt und den Markt damit ins Ungleichgewicht gebracht. Gleichzeitig zeichnet sich bei den Konsumenten der Trend ab, eher auf weniger und dafür qualitativ hochwertige Kleidung zu setzen.

Im Frühjahr 2018 sammelte der Handelsgigant H&M ein Inventar an unverkaufter Kleidung mit einem Wert von insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar an, was das Unternehmen zu Räumungsverkäufen zwang. Dies verdeutlicht, dass auch Hauptakteure der Branche nicht unverletzbar sind.

Ein weiteres Geschäftsmodell, das den traditionellen Handel bedroht ist der Online-Handel. Im Jahr 2018 wuchs der Online-Bekleidungsverkauf in den USA um 18,5% im Verhältnis zum vorherigen Jahr, während das Wachstum des gesamten Bekleidungshandel nur 5,3% betrug. Damit werden 34,4% der insgesamt gehandelten Kleidung in den USA online verkauft. In Großbritannien macht der Onlinehandel im selben Jahr rund 24% des gesamten Bekleidungshandels aus.

Risiken

Erwartungen und Sichtweisen der Industrie

Als Führungskräfte der Branche nach der aus ihrer Sicht größten Herausforderung für die Industrie für das Jahr 2019 gefragt wurden, war die unsichere Lage der globalen Wirtschaft die dominierende Antwort: 15% der Befragten sahen dies als die größte Herausforderung der Branche, gefolgt von der Online- und Omnichannel-Konkurrenz mit 13%. Das drittgrößte Risiko sahen sie zum einen in dem hohen Tempo, mit dem sich die Präferenzen der Konsumenten ändern, sowie in der Notwendigkeit, transparent und nachhaltig zu wirtschaften (je 7%).

Innerhalb der Bekleidungsbranche variieren die Erwartungen je nach Industriesegment, Tätigkeitsumfeld und geographischer Lage enorm. Dies geht ebenso aus dem McKinsey Industrie-Report hervor, der Führungskräfte nach deren Einschätzung der Entwicklung der Branche im Jahr 2019 befragte.

  • Starkes Vertrauen ins Premiumsegment, Zweifel an Mittelstand: 56% der Befragten erwarten eine Verbesserung der Bedingungen für Luxusmode, 42% für den Mittelstand und nur 27% für das Niedrigpreissegment. Eine Verschlechterung der Bedingungen erwarteten hingegen 58% für den Mittelstand, 54% für das Niedrigpreissegment und nur 32% für den Luxusbereich.

Optimismus im Westen, Pessimismus in Asien: Nur 30% der Befragten glaubten das Jahr 2019 würde die Umstände der Branche in Asien verbessern, 51% hingegen erwarteten eine Verschlechterung. Auch in Europa teilten sich die Meinungen. Dort glaubten 44% der Führungskräfte an eine Verbesserung der Bedingungen, 47% fürchteten eine negative Entwicklung. Nordamerika zeigte sich optimistischer. Nur 30% erwarteten eine Verschlechterung während 64% an ein besseres nächstes Jahr glaubten.

Fast-Fashion vs Nachhaltigkeit

Die Menge der insgesamt produzierten Bekleidung hat sich zwischen 2000 und 2014 mehr als verdoppelt und vor allem in Schwellenländern stieg der Verkauf rasant an. Jedoch hat es die Industrie laut McKinsey-Report verpasst, ihre ökologischen und sozialen Standards zu erhöhen. In den Fabriken herrschen mitunter problematische Arbeitsbedingungen und Schätzungen zufolge produziert die Herstellung von einem Kilogramm Fabrikat ganze 23 Kilogramm an Treibhausgasen.

Ein weiteres ernst zu nehmendes Problem ist der Wasserverbrauch. Teile des Produktionsprozesses von Bekleidung benötigen eine hohe Menge an Wasser und so wird geschätzt, dass über ein zehntel der gesamten industriellen Wasserbedarfs in der Modeindustrie verbraucht wird.

Diese Aspekte bilden sowohl ethische Probleme als auch potentielle Geschäftsrisiken. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass der Sektor in eine nachhaltigere Richtung geht. Second-Hand Plattformen und Mode-Verleihe, Designermarken mit nachhaltiger Agenda und wassersparende Färbereien kommen auf den Markt, ökologische Produktionspraktiken werden vermehrt eingesetzt.

Unternehmen geraten zunehmend unter Druck, sich gewissenhafter mit den ökologischen Folgen ihrer Produktion auseinanderzusetzen. Beispielsweise wurde die französische Modemarke Kering von Präsident Emmanuel Macron aufgefordert, einen Öko-Push einzuleiten. Das Unternehmen erkannte gleichzeitig, dass Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen vor allem unter Konsumenten der jüngeren Generationen ist.

Fragen der Nachhaltigkeit sind also eine große Herausforderung der Industrie. Während bei den Konsumenten der Bedarf an nachhaltiger Kleidung wächst und das Interesse der Unternehmen steigt, diesem Bedarf entgegenzukommen, hat es die Industrie noch nicht geschafft, eine weitgehend nachhaltige Produktion umzusetzen. Die Fragmentierung der Lieferketten verkompliziert dies zusätzlich. Für eine nachhaltigere Produktion müssten alle in den Industrieprozess einbezogene Bereiche verändert werden.

Investieren in die Bekleidungsindustrie

Am Kleidungs- und Modemarkt sollten sich Investoren einiger Aspekte bewusst sein. Wie das Investment- und Rechercheunternehmen Value Line festhält, ist der Sektor durch starken Wettbewerb geprägt: Große Händler, Nischengeschäfte und Unternehmen, die neue Marktregionen erobern wollen. Der Modemarkt ist dynamisch und verändert sich schnell. Unternehmen müssen also anpassungsfähig sein.

Wie Value Line anmerkt, ist der Sektors sensibel für die breitere wirtschaftliche Entwicklung: Konsumenten kaufen Kleidung wenn es auch sonst wirtschaftlich gut läuft und zeigen sich dementsprechend zurückhaltend in Krisenzeiten.

2018 wurden in amerikanische Startups des Mode- und Beautybereichs insgesamt 2,06 Milliarden US-Dollar Venture Capital investiert: Das entspricht 30% mehr als es in 2016 der Fall war. Industrieexperten und Investoren haben einige Faktoren aufgelistet, die für eine Investition sprechen. Dazu zählen etwa Kompetente Strategien im online wie offline-Bereich, oder das Anbieten von Kernprodukten mit klassischen Elementen, die unabhängig von saisonaler Mode sind. Faktoren, die für Unbehagen zwischen Unternehmen und Investoren sorgen, sind die niedrigen Wachstumsraten im Vergleich etwa mit der Tech-Industrie.

In einer Umfrage von Deloitte ist das Interesse von Privatinvestoren im Bekleidungsbereich trotz niedrigerer Wachstumsprognosen bis 2021 höher als in anderen Segmenten. Dafür kann es mehrere Gründe geben: Höhere Gewinnerwartungen oder Interesse an wachsendem Marktanteil. Dem bekundeten Interesse folgt jedoch nicht immer gleich ein wirkliches Investment.

In der EU pendelten sich Investitionen in die Bekleidungsindustrie während der 2010er-Jahre auf ein konstantes Level ein: Nachdem die investierte Gesamtsumme von 1,8 Milliarden in 2009 und 2009 auf 1,4 Milliarden in 2011 fiel, blieb sie seitdem jährlich in etwa auf dieser Höhe (bis 2018).

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Die hierin enthaltenen Informationen sind nicht als Anlageberatung oder Anlageempfehlung zu verstehen und dürfen nicht als solche ausgelegt werden. Anleger sollten Wertpapiere ausschließlich auf Grundlage der in den Anlageunterlagen eines Unternehmens enthaltenen Informationen erwerben. Die Investition in Wertpapiere nicht börsennotierter Unternehmen ist mit einem hohen Risiko verbunden.

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